Bildhauerin mit Leib und Seele: Renée Sintenis

Renée Sintenis kam am 20. März 1888 im polnischen Glatz zur Welt und wuchs anschließend in Neuruppin auf. Die Familie übersiedelte zunächst nach Stuttgart und im Jahr 1905 nach Berlin, da der Vater, ein anerkannter Jurist, eine Anstellung am Kammergericht annahm. Im Zeichenunterricht und anschließend während des Studiums bei Wilhelm Haverkamp und Leo von König entdeckte sie ihr kreatives Talent.

Als der Vater von ihr forderte, als seine Sekretärin zu arbeiten, brach sie ihr Studium ab. Doch die ungeliebte Tätigkeit führte zum Bruch mit der Familie, und Renate Alice nannte sich fortan Renée Sintenis. Sie lernte im Jahr 1910 Georg Kolbe kennen und stand ihm Modell.

Angeregt durch diesen Austausch mit Kolbe entdeckte sie ihr Talent für Bildhauerei und Radierungen. Sie schuf weibliche Akte, portraitierte Ringelnatz und Gide und stellte den finnischen Sportler Paavo Nurmi dar.

Sie schuf kleinformatige und sehr prägnante Tierfiguren, die ihr ein großes Publikum bescherten. Über die Künstlergruppe „Berliner Secession“, der auch Max Liebermann angehörte, lernte sie schließlich Joachim Ringelnatz und Rainer Maria Rilke kennen, die im Laufe der Zeit zu ihrem engsten Freundeskreis avancierten. Im Jahr 1922 zählte Renée Sintenis zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Flechtheimer Kunstkreises.

Zur Zeit der Weimarer Republik erhielt sie die Gelegenheit, in der Tate Gallery in London, in der Berliner Nationalgalerie, im MoMA in New York sowie in Rotterdam und Glasgow ihre eindrucksvollen Skulpturen zu präsentieren, die daraufhin rund um die Welt gingen. Beeindruckt von ihrem Aussehen, ihrem Esprit und ihrer Ausstrahlung portraitierten sie Frieda Riess, Georg Kolbe oder Fritz Eschen auf zahlreichen Fotografien und Malereien.

Während der Kriegswirren verstarb nicht nur ihr Mann, Emil Rudolf Weiß, sondern sie verlor auch durch Brandstiftung und Bombenangriffe ihr Atelierhaus und damit fast ihren kompletten Besitz, der Teile ihrer Werke sowie sämtliche Papiere umfasste.

Doch sie ließ sich davon nicht vertreiben, sondern bezog mit ihrer Lebensgefährtin Magdalena Goldmann eine Wohnung in Berlin. Im Laufe der Zeit fand sie wieder zu ihrer Kreativität zurück und schuf weitere kleine und große Tierplastiken, darunter die Statue des Berliner Bären, der heute die Autobahn A115 zwischen Dreilinden und Zehlendorf ziert.

Um das Andenken an die große Künstlerin aufrechtzuerhalten, wird eine kleine Plastik des Bären alljährlich während der Berlinale, den Internationalen Filmfestspielen, als Silberner und Goldener Bär verliehen. Renée Sintenis verstarb am 22. April 1965 und wurde in Berlin-Dahlem auf dem Waldfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.

Eine Werksschau

Zu den bekanntesten Werken von Renée Sintenis zählen der „Berliner Bär“, der „Ziegenbock“ (Bronzestatue aus dem Jahr 1928), das „Grasende Fohlen“ aus dem Jahr 1929, „Daphne“ (1917) und das „Große Vollblutfohlen“ (1940), das vor dem Hertener Rathaus steht. Renée Sintenis schuf „Pegasus“ (1952), den „Liegenden jungen Hund“ (1934) und die „Indianerin“ (1918).

Berühmt wurde sie außerdem mit der Skulptur „Fünfkampf – Der Reiter“ aus dem Jahr 1925, mit dem „Shetlandpony im Wind“ (1934) sowie dem „Zebukalb“ (1924). Zu ihren bedeutenden Zeichnungen und Radierungen zählen die Arbeiten für „Das Tigerschiff“ (1923), „Badende Mädchen“ (1919) oder „Sappho.1921“ (1921).

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