Die Merkmale der Netzkunst

Dieser Sammelbegriff umfasst verschiedene Werke, die in Netzen oder Netzwerken stattfinden. Das können analoge Netze (z.B. Mail Art) oder auch künstlerische Arbeiten im Internet oder Mobilfunknetzen sein.


Die digitale Kunst

Internetdienste wie Websites und Mailboxen können durchaus unverzichtbare Mittel für die Interaktion sein – es kann um Texte, Bilder oder Klang gehen. Wichtig ist für diese Art der Kunst nicht, ob eine oder mehrere Personen daran beteiligt sind, sondern dass diese Art der Kunst nur unter Inanspruchnahme des Netzes möglich ist. Die Kunst im Netz ist also zu verstehen als virtuelles Schaffen von Kunst unter vernetzten Teilnehmern, die gemeinsam an einem solchen Werk arbeiten.


Im Prinzip sind die Beteiligten durchaus bewusst Mitglied dieses Netzes, aber es gibt auch die Möglichkeit, mittels bestimmter Programme Beiträge abzuschöpfen, ohne dass dies dem Urheber bewusst ist.


Abgrenzung zur Kunst aus dem Netz

Diese ist keine Netzkunst. Sie nutzt die Medien, um ihre Kunst dort vorzustellen, was allerdings auch ohne Internet möglich wäre. Die künstlerische Auseinandersetzung findet dabei nicht mit dem Netz oder Netzwerk statt. Netzkunst mit Netzwerken ist nicht immer digital. Auch analoge Netzwerke können beteiligt sein- mitunter sogar unter Zuhilfenahme von digitalen Möglichkeiten.


Formen der Netzkunst

Mail Art: die Postkunst benutzt alle verfügbaren Netze. Diese besteht seit etwa 1960. Sogenannte Mail Art Postboten liefern die Postkunst aus, was heute auch durch Mail-Verkehr zu ersetzen ist. Eine anspruchsvolle Sonderform ist die Kunst der Korrespondenz. Web Art: diese digitale Netzkunst ist eine künstlerische Arbeit mit Websites. Dabei wird das gleiche Interface genutzt wie bei kommerziellem Webdesign. Webcomic: Solche besonderen Comics werden ausschließlich oder zumindest überwiegend durch das Internet publiziert. Sie unterscheiden sich von Comics, die für den Druck hergestellt wurden, und dennoch im Internet vertrieben werden. Dabei können die Übergänge fliesend sein.

Weiteres zur Netzkunst

Es können durch diese Art der Kunst virtuelle Persönlichkeiten erschaffen werden. Sie entwickelt dann zumeist ein nicht mehr steuerbares kommunikatives Eigenleben. Daraus entstehen kollektive Pseudonyme und multiple virtuelle Persönlichkeiten. Ein Problem ist der rechtsfreie Raum, da der unkommerzielle Charakter diese Netzkunst-Projekte abtrennt von anderen künstlerischen Arten. Die Ergebnisse sind allgemeinfrei und können von jedem genutzt und weiterentwickelt werden.


Außerdem gibt es das Problem der Vergänglichkeit virtueller Netzkunstobjekte, deren Bestand einzig an die Verfügbarkeit im Netz gekoppelt ist. Der Netzkünstler muss diese also Warten und den Zugriff auf den anbietenden Server haben. Erste solcher Projekte wurden bereits 1913 beobachtet, mit dem Postkartenaustausch der Künstler der Brücke. Die Netzkunst der Postprojekte war in der DDR interessant, da hier die Reisebeschränkungen und die Postzensur eine erhebliche Rolle spielten. Kuriere zwischen Ost und West überschritten für Mailart die Grenze zwischen den Machtblöcken, und konnten einzelne Verbindungen herstellen.