Barcelona Dokumentation

Daniel Brühl führt in der neuen Folge der 3sat-Städteportrait-Reihe durch seine Geburtsstadt Barcelona. Der Schauspieler zeigt abseits der Touristenpfade seine Lieblingsplätze in der katalanischen Metropole.

Sehnsuchtsort Barcelona
Nach einem Kaffee frühmorgens im "Mirablau" mit Blick über die Stadt führt uns Brühl in das Viertel "Sant Gervasí" am Fuße des Berges Tibidabo. Hier hat er Teile seiner Kindheit verbracht.
"Ich bin schon relativ früh nach Köln, weil mein Vater dort gearbeitet hat, aber Barcelona war immer der Sehnsuchtsort. Die Heulerei am letzten Ferientag war total groß. Es war immer ein Drama, weil meine Geschwister und ich nicht zurück nach Köln wollten. Meine Mutter hat immer Spanisch zuhause gesprochen. Wir haben die spanische Kultur wirklich gelebt. Wir haben eigentlich jeden Urlaub in Spanien verbracht. Es kommen eine Menge Kindheitserinnerungen hoch, wenn ich hier die Straßen langgehe. Ich kenne das alles in- und auswendig. Das ist innerhalb von Barcelona auf jeden Fall Heimat."

Brühls Lieblingsviertel Gràcia
Vor mehr als zehn Jahren drehte Brühl seinen ersten großen Spielfilm in Spanien: "Salvador - Kampf um die Freiheit" (Regie: Manuel Huerga). Er verkörperte darin den katalanischen Freiheitshelden Salvador Puig Antich, der zur Zeit der Franco-Diktatur hingerichtet wurde. Während der Dreharbeiten zu diesem Film sei seine Liebe zu Barcelona wieder entfacht, sagt Brühl. Besonders angetan ist er seit damals vom Viertel "Gràcia".
"Gràcia ist mein Lieblingsviertel. Es ist sehr katalanisch geprägt, hat eine sehr starke eigene Identität und war einmal eine eigene kleine Stadt für sich, bevor es zu einem Stadtteil von Barcelona wurde. Die Architektur ist anders, die Straßen sind schmaler, die Häuschen sind kleiner. Es ist ein sehr linkes, ein sehr junges Viertel mit einer starken katalanischen Identität. Die Unabhängigkeitsbewegung ist ohnedies ziemlich groß geworden in den letzten Jahren. Auch wegen der Krise. Und das sieht man auch an der Vielzahl von katalanischen Fahnen in den Balkonen. Ich finde, dieses Viertel ist noch sehr authentisch. Hier wird auch viel Katalanisch gesprochen. Selbst wenn ich auf Spanisch antworte, reden die Leute trotzdem auf Katalanisch weiter."

Mit der Hafenseilbahn auf den Montjuïc
Der Montjuïc ist der Hausberg der Barcelonesen mit einer Vielzahl an Attraktionen. Wer sich einen Fußmarsch ersparen will, der nimmt am besten die Hafenseilbahn und genießt die atemberaubende Panoramasicht auf Barcelona.
"Auf dem Berg steht eine gigantische, einst strategisch wichtige Militärburg, das Castell de Montjuïc, das zu Zeiten der Franco-Diktatur als Gefängnis für politische Gefangene berüchtigt war. Die schönste Seite des Berges ist mit einer Jahreszahl verbunden, die in die Zeit vor dem spanischen Bürgerkrieg weist: 1929. In jenem Jahr fand am Montjuïc die Weltausstellung statt, die ein ziemlich verschwenderisches Unternehmen gewesen sein muss. Jedenfalls investierte Barcelona über zwanzig Millionen US-Dollar, die vor allem für die schicken Pavillons draufgingen. Die prunkvollsten kann man noch heute besichtigen. Auch das Olympiastadion wurde zu Zeiten der Weltausstellung gebaut, für die Olympischen Spiele 1992 musste es gewissermaßen bloß modernisiert werden. Hoch oben auf dem Berg thront der 'Nationalpalast', der heutzutage das katalanische Nationalmuseum beheimatet - eine wunderbare Ausstellungshalle mit wirklich tollen Exponaten."

Ewige Liebe für Barca
Wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, zieht sich Brühl nach Barcelona zurück, besucht seine Familie und Freunde. Auf dem Programm des großen Fußballfans steht zumeist auch ein Spiel seines Lieblingsvereines, dem FC Barcelona, im Heimatstadion Camp Nou.
"Ich bin vor einem Spiel aufgeregt wie ein 12-Jähriger. Ich kann die Nacht davor manchmal nicht schlafen. Ich bin sehr emotional dabei und kann mich wunderbar aufregen. Das muss man schon voll leben. Mit der Handbremse wäre es langweilig. Der FC Barcelona steht für so viel Schönes in diesem Sport, vor allen Dingen verbunden mit einer Person, die vor kurzem gestorben ist, Johan Cruyff, dass ich schon allein deshalb froh bin, Fan dieses Vereins zu sein."
In Berlin betreibt Brühl ein Tapas-Restaurant namens "Raval" - benannt nach dem berühmt-berüchtigten Stadtviertel am Hafen Barcelonas.
"Im Raval haben schon immer Huren die Straßenecken gesäumt oder vor kleinen Kabuffs auf Kundschaft gewartet; die allerwenigsten gingen ihrem Beruf freiwillig nach. Kriminelle und Paradiesvögel leben und sterben hier noch immer nebeneinander. Das Raval in Barcelona ist ein authentischer Ort, einer dieser Flecken, wo man förmlich riecht, dass ein Hafen nicht weit entfernt sein kann, mit Ecken voller sprödem Charme. Ohne das Raval wäre die Stadt ihrer Düsterkeit beraubt, der Gefahr, der Schauergeschichten und Legenden. Man würde Barcelonas Seele zerstören."



© ORF Günter Schilhan

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