Wer Karl Lagerfeld auf den steifen Kragen, den Zopf und die dunkle Brille reduziert, übersieht das eigentliche Werk hinter dem Mann am Reißbrett: die Räume, in denen er lebte. Über die Jahrzehnte besaß der gebürtige Hamburger rund zwanzig Wohnsitze – verteilt über Paris, Rom, Monaco, die Bretagne, das Baskenland und seine Heimatstadt. Kein einziger glich dem anderen. Für Lagerfeld war eine Wohnung nie bloß Adresse, sondern eine Bühne, die er so konsequent inszenierte wie eine Kollektion.
Das Faszinierende: Sein Geschmack blieb nie stehen. Er konnte Jahre in vergoldeter Boiserie des 18. Jahrhunderts verbringen und im nächsten Kapitel alles verkaufen, um in Stahl, Glas und Aluminium neu anzufangen. Diese Radikalität – erst besitzen, dann loslassen – macht seine Anwesen bis heute zu Studienobjekten für alle, die Interieur als Ausdruck einer Haltung verstehen.
Der Sammler von Welten
Lagerfeld war ein besessener Sammler, allen voran des französischen 18. Jahrhunderts. Er liebte die Ebenholzarbeiten der Epoche, kostbare Objekte und vor allem Sitzmöbel im Stil Louis XV, die er als eigenständige Kunstwerke betrachtete. Zu seinem Umfeld zählten Experten für historisches Mobiliar, mit denen er über Provenienzen und Proportionen fachsimpelte wie andere über Aktienkurse.
Umso spektakulärer war der Schnitt: Im Jahr 2000 trennte er sich bei Christie's in Monaco von großen Teilen dieser Sammlung – Hunderte Möbel und Objekte sowie Gemälde alter Meister wie Boucher und Fragonard wechselten den Besitzer. Nicht aus Not, sondern aus Prinzip. Ein Kapitel war erzählt, das nächste sollte leer, hell und gegenwärtig sein. Konstant blieb nur eine Leidenschaft: die für Bücher. Seine Bibliothek wuchs auf zehntausende Bände und bespielte in seinen späteren Wohnungen ganze Wände – als tragendes Gestaltungselement, nicht als Dekoration.
Das Raumschiff am Quai Voltaire
Die berühmteste Adresse seiner letzten Jahre liegt im 7. Pariser Arrondissement, am Quai Voltaire, mit Blick über die Seine hinüber zum Louvre. In einem Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert schuf Lagerfeld ein Interieur, das mit jeder Erwartung an eine Altbauwohnung bricht: kühle, spiegelnde Oberflächen, mattiertes Glas, Edelstahl, Aluminium – Formen so glatt und reduziert, dass die historischen Mauern beinahe verschwinden.
Er selbst beschrieb diese Wohnung nicht als Haus, sondern als „Raumschiff für die Stadt", in dem man sich nicht länger an die Erde gebunden fühle. Genau darin liegt die Pointe: Ausgerechnet an einer der klassischsten Uferzeilen von Paris entwarf der Mann, der jahrzehntelang das 18. Jahrhundert liebte, eine Vision von Zukunft. Nach seinem Tod fand die Wohnung bei einer öffentlichen Versteigerung eine neue Eigentümerschaft und erzielte ein Vielfaches vergleichbarer Objekte – Beleg dafür, wie sehr sein Name einen Ort veredelt.
Gut zu wissen
Der Quai Voltaire gilt seit jeher als eine der begehrtesten Wohnlagen von Paris. Die Häuser der Zeile blicken über die Seine direkt auf den Louvre – eine Aussicht, die vor Lagerfeld schon Schriftsteller und Künstler anzog und bis heute zu den teuersten Adressen der Stadt zählt.
Villa Jako an der Elbe
Wer Lagerfeld verstehen will, muss nach Hamburg zurückkehren. In den 1990er-Jahren erwarb er im noblen Elbvorort Blankenese eine Villa aus dem frühen 20. Jahrhundert und taufte sie Villa Jako – nach Jacques de Bascher, seinem engsten Weggefährten, der wenige Jahre zuvor gestorben war. Das Haus mit seiner an römische Vorbilder erinnernden Fassade und dem weiten Blick über die Elbe wurde für kurze Zeit sein deutsches Refugium.
Hier zeigte sich der Klassizist in ihm: Räume von strenger Symmetrie, edle Materialien, eine an die 1920er-Jahre angelehnte Eleganz, die Antike und Moderne in Balance hielt. Bewohnt hat er die Villa nur wenige Jahre bis Ende der 1990er, doch sie blieb ein Sehnsuchtsort – so sehr, dass er der Adresse sogar einen eigenen Duft widmete. Bis heute wird die Villa Jako, hoch über dem Strom gelegen, als eines der schönsten Anwesen Blankeneses gehandelt.
Was sein Wohnstil lehrt
Aus Lagerfelds Häusern lässt sich mehr ableiten als eine Vorliebe für teure Materialien. Erstens: Ein Interieur darf eine These sein. Ob barocke Fülle oder klinische Leere – er entschied sich immer für eine klare Haltung statt für den Kompromiss des „gefälligen" Wohnens. Zweitens: Loslassen gehört zum Luxus. Wer bereit ist, eine perfekte Sammlung aufzugeben, gewinnt die Freiheit, neu zu denken.
Und drittens, vielleicht am wichtigsten: Wohnen war für ihn eine Fortsetzung der Arbeit mit anderen Mitteln. Dieselbe Präzision, mit der er Silhouetten schnitt, floss in Proportionen, Lichtführung und die Wahl jeder Oberfläche. Wer heute „wie Lagerfeld" wohnen möchte, kopiert deshalb nicht den Edelstahl oder das Blattgold – sondern die Konsequenz, mit der ein Zuhause zur präzisen Selbstaussage wird.
Häufige Fragen
Wo hat Karl Lagerfeld gewohnt?
Karl Lagerfeld besaß im Laufe seines Lebens rund zwanzig Wohnsitze, unter anderem in Paris, Rom, Monaco, der Bretagne, dem Baskenland und in Hamburg. Am bekanntesten sind seine futuristische Wohnung am Quai Voltaire in Paris sowie die Villa Jako im Hamburger Elbvorort Blankenese.
Was war die Villa Jako und wonach ist sie benannt?
Die Villa Jako ist ein Anwesen aus dem frühen 20. Jahrhundert im Hamburger Stadtteil Blankenese, das Lagerfeld in den 1990er-Jahren erwarb. Er benannte es nach Jacques de Bascher, seinem engsten Weggefährten, der wenige Jahre zuvor verstorben war. Bewohnt hat er die Villa bis Ende der 1990er-Jahre.
Wie sah Karl Lagerfelds Einrichtungsstil aus?
Lagerfelds Stil wandelte sich radikal: Lange sammelte er französische Möbel des 18. Jahrhunderts, etwa im Stil Louis XV. Später trennte er sich von dieser Sammlung und gestaltete seine Räume ultramodern mit Glas, Edelstahl und Aluminium. Konstant blieb nur seine riesige Buchsammlung, die in seinen Wohnungen ganze Wände bespielte.
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.



